Sonderdichtungen für die Lackiertechnik

Die Applikationstechnik für Lack, Farbe und Kleber ist in den meisten Fällen vom Umgang mit Lösemittel gezeichnet. Hier versagen – von hochfluorierten Elastomeren wie FKM (FPM, Viton® , Viton Extreme®, FFKM) abgesehen, durchweg alle anderen Gummi-Qualitäten. Sie quellen, werden zersetzt und enthalten oft Lackbenetzungsstörende Substanzen. Eine Teflondichtung wäre zwar chemisch beständig, wegen seines Abriebs gerät er jedoch in den Verdacht, nicht frei von LABS zu sein. 

Als besonders geeignet aggressive Lösemittel, hochviskose Kleber und pigmentierte Lacke abzudichten, gilt der Werkstoff Ultrahochmolekulares Polyethylen, der aufgrund seines chemischen Aufbaus als nahezu universell Lösemittel-beständig gilt. Außerdem besitzt er eine hohe Rückstellkraft und eine enorme Verschleißfestigkeit auch im ungefüllten Zustand. Die hohe Reinheit machen PE 1000 zudem zu einem Labs-freien Material.

Neben UHMW-PE kommen auch PEEK, PVDF und PTFE-Compound zum Einsatz.

Dabei kommt es auf Totraumfreiheit und auf niedrige Reibung an. In der Regel wird eine Dichtung als multifunktionale Lippendichtung ausgeführt, die auch statische Dichtwulste, Führungsflächen und Demontage-Gewinde enthalten kann.

(Hin und wieder wird auch ein federunterstützter Nutring oder Mantelring eingesetzt, die jedoch Nachteile beim Totraum bzw. bei der Lackverschleppung aufweisen.)

Als besonders innovativ gelten mittlerweile Lackventile mit Faltenbalg- bzw. Membrandichtung, bei der die Nadelkappe direkt mit integriert ist. Das verhindert zu100% die Verschleppung von Farbe- und Lösemittel. Im Einsatz mit UV-Lack kann eine solche Miniaturdichtung ihre vollen Möglichkeiten ausspielen.

Spülkolben, die durch Schlauchleitungen getrieben werden, nennt man „Molch“ (englisch: „pig“) Diese trennen sauber Vorgängerlack von Lösemittel, Luft bzw. dem Nachfolgerlack. Dadurch ergeben sich kürzeste Lackwechselzeiten in automatischen Anlagen, geringste Lackverwürfe, sparsamster Lösemitteleinsatz und eine hervorragende Prozessqualität.

Ein Gummimolch stößt häufig bei hohen Verfahrgeschwindigkeiten (sie „verbrennen“ regelrecht) und chemischen Beständigkeiten gegen aggressive Lösemittel an seine Grenzen. Deshalb werden mehr und mehr Hartmolche aus Enduflon P1 eingesetzt, die es mit eingeschweißtem Magneten oder Stahlkern gibt. Dadurch lassen sich diese Komplettkolben im Bahnhof detektieren und für die Anlagensteuerung auswerten.

Wir liefern die Molche nach Kundenwunsch vorgespannt in Containern, mit Nord-Süd-Kennzeichnung des Magneten oder mit Einführhilfen aus.

In Lackierpistolen wird zwischen sog. Horn- und Zerstäuberluft unterschieden. Die Nadel wird dagegen von der Steuerluft betätigt. Diese arbeiten über einen Kolben gegen eine vorgespannte Feder. Auch in Lackventile werden Steuerkolben benötigt. 

Vielfach handelt es sich um komplizierte Aufbauten mit vielen Dichtungen und Kanälen, die die unterschiedlichen „Lüfte“ voneinander trennen. 

Hier haben wir in der Vergangenheit integrierte Lösungen erstellen können, die mehrere Funktionen beinhalten. So konnten oft sämtliche Dichtungen in ein Bauteil integriert werden, um weitere Elemente und Platz zu sparen. Im Ergebnis entstanden Komplettkolben, die sich durch Leichtlauf, Beständigkeit gegen Lösemittelnebel und geringen Verschleiß auszeichnen.

Lackventile dichten oft über Ventilsitze, die konische Dichtflächen aufweisen. Eine hart/weich-Kombination mit dem Ventilsitz aus Edelstahl hat sich als vorteilhaft erwiesen. Hierbei kommt es auf die richtige Auswahl der Festigkeit des Kunststoffes (PVDF, PEEK, UHMW-PE) an, die von der Schließkraft des Kolbens abhängt.

Mithilfe eines Trägers aus Metall, auf den eine Dichtung auf Kunststoff aufgeschnappt wird, können auch größere Nadelkräfte übertragen werden.

Eine integrierte Dichtung, die als Membran- oder Balg gestaltet ist, ermöglicht eine leckagefreie Abdichtung der Ventilnadeln.

Für die Dosierung von Lacken in Glaszylindern werden Abdichtlösungen benötigt, die sich durch geringe Reibung, Stick-Slip-Freiheit und geringste Leckagen auszeichnen. Hier ist wiederum Ultrahochmolekulares Polyethylen der Hochleistungsskunststoff der Wahl. Bei einem einbaufertigen Komplettkolben kann ein Gewinde, eine Führungsfläche und eine Dichtung gegen das Hydraulik- oder Quenchmedium integriert werden. Scharfe, hochpräzise Dichtkanten fungieren als Abstreifer von Metallflakes, deren Dicke sich oft im Bereich von einigen Nanometern bewegt.

Um eine laterale Bewegung von ebenen Flächen aneinander abzudichten, haben wir verschiedene Formen von Schieberdichtungen entwickelt, die alle notwendigen Anforderungen an eine schmierfreie Dichtung erfüllen. So lassen sich wiederum Toleranzausgleich, geringe Reibung, kleine Toträume, Labs-freiheit und Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb realisieren.

Die spangebende Herstellung erlaubt es wiederum, sämtliche Einbauräume darzustellen und eine rückwärtskompatible Lösung für die Dichtung zu entwickeln.

Sonderdichtungen für die Lackiertechnik

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