Ein Wellendichtring, kurz WDR oder RWDR (Radialwellendichtring) genannt, dichtet eine drehende Welle ab. Weite Bereiche des Maschinenbaus werden mittels Elastomer-Stahlgehäuse-Wurmfeder-Konstruktionen abgedichtet. Diese funktionieren jedoch nur zufriedenstellend, wenn die Dichtlippe mit dem abzudichtenden Medium (i. d. R. Öl und Fett) geschmiert wird. Auch sind Einsatzgrenzen bei Druck, Temperatur, Gleitgeschwindigkeit und chemischer Beständigkeit auferlegt. 

Ein Radialwellendichtring mit PTFE-Dichtlippe kompensiert nahezu alle Nachteile der klassischen Dichtungen aus Gummi. Er ist auch für schlecht schmierende Medien wie Wasser oder Lösemittel, Mangelschmierung und sogar für absoluten Trockenlauf geeignet. WDR aus UHMW-PE (Ultrahochmolekulares Polyethylen, auch: PE 1000,, Handelsnamen: PolyHi-Solidur®, Murtfeld S®, Muralen®, TIVAR® ) sind sogar in der Lage, es mit abrasiven Schüttgütern wie Sand oder Keramikstaub aufzunehmen. 

Durch die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten bleiben für den Konstrukteur kaum Wünsche offen. Ob Sonderabmessungen, Spezialkonstruktionen, Konstruktionen, Totraumfreiheit, FDA-konforme Werkstoffe, hohe Drücke, hohe oder niedrige Temperaturen. (Fast) alles ist möglich und lässt sich, dank spanender Fertigung schnell entwickeln und in die Serie umsetzen.

Ein sog. massiver Wellendichtring wird aus Rohr- oder Vollmaterial gedreht und so auf das Nennmaß der Welle umgeformt, dass er auch reibungsoptimiert eingestellt werden kann. Lippen lassen sich sowohl gleich- als auch gegensinnig gestalten, so dass auch eine Trennung zweier Medien (z. Bsp. Lebensmittel von Getriebefett) möglich ist. Die Verwendung eines passenden Compounds mit modernen, teils FDA-konformen  Füllstoffen (PEEK, PI, Ekonol®, PPSO2) ermöglichen auch die Paarung auf weichen Gegenlaufflächen (Edelstahl), wie sie oft in der Fülltechnik und Pharmaindustrie verwendet werden müssen. Traditionelle Füllstoffe wie Glasfaser, Kohle, Grafit, Bronze, Molybdändisulfit MoS2, werden von uns dagegen ausschließlich für kostensensible Anwendungen eingesetzt. 

Der Einbau in das Gehäuse und damit der Festsitz kann auf unterschiedliche Weise gestaltet werden. Üblicherweise reicht einfaches Einpressen mit Übermaß. Bei etwas höheren Temperaturen wird der Außendurchmesser zusätzlich mit O-Ring oder Quadring (X-Ring) gesichert oder mit einem inliegenden Stahlring verstärkt.

Für die Anwendung in Röntgenbereichen (X-rays), bei denen TEFLON® versagt, verwenden wir PEEK-basierte Werkstoffe, die alle anderen Vorteile wie Trockenlauf und chemische Beständigkeit aufweisen.

Der große Vorteil dieser Bauart liegt in der robusten Montage und der Verfügbarkeit von Standardabmessungen. Auch hier haben wir jedoch bereits die ein oder andere Sonderbauart umgesetzt, wie mehrlippige Ausführungen, Sonderdurchmesser und Kombinationen mit Gummilippe.

Oft erfordern es Anwendungen von Wellendichtringe für Pumpen, dass Leckage von Produkt oder Schmiermittel abgeführt werden müssen, um Querkontaminationen zu vermeiden. Bisweilen bedarf es Quench- oder Reinigungsmedien (CIP, Dampfsterilisation) die ständig oder gelegentlich zwischen den Lippen zugeführt werden. Hierzu bieten wir komplette WDR-Modullösungen an, die alle Lippen, O-Ringe und Spülkanäle beinhalten. Vorhandene, mehrteilige Konstruktionen können in diesen Fällen oft durch einteilige Ausführungen (Cartridge) ersetzt werden. 

Gerne werden diese einbaufertigen Lösungen im Baukastenprinzip in Drehdurchführungen für die Erzielung eines niedrigen Reibmoments eingesetzt.

Für die Anwendung in einer Luft-Drehdurchführung haben wir eine druckentlastete Lösung entwickelt, bei denen die Lippen automatisch und proportional zum Systemdruck entlastet werden. Somit ist über den gesamten Druck- und Drehzahlbereich eine optimale, minimale Einstellung des Anpressdruckes gewährleistet, die sensationelle Leckageraten bei niedrigster Reibung gewährleistet.

Ultrahochmolekulares Polyethylen ist tatsächlich auch ein Hochleistungskunststoff. Deshalb können  RWDR aus PE 1000 aufgrund der Festigkeit dieses (häufig unterschätzen) Materials meist einteilig gestaltet werden. So werden sie ebenfalls spangebend hergestellt, was jedoch ein enormes Fertigungs-Know-How voraussetzt. Das Gehäuse kann mit Lippen, O-Ring-Nuten, Schlüsselflächen, Gewinden, Bunden und Spülbohrungen versehen werden. Der Kunststoff, der vor allem als Murtfeldt S® oder Murtfeldt S grün® bekannt ist, ist selbst im ungefüllten Zustand bereits äußerst verschleißfest. Er besitzt eine hohe Rückstellkraft, so dass auf zusätzliche Federelemente verzichtet werden kann. Schleissende Medien oder Trockenlauf schaden den Dichtungen kaum. Aufgrund der Steifigkeit der Lippen können diese Wellendichtringe auch gleichzeitig für überlagerte (radiale und axiale) Bewegungen, somit als Abstreifer,  genutzt werden.

Um Gehäuse bei Temperaturschwankungen reversibel atmen zu lassen, haben wir eine Technologie entwickelt, bei der ein Teil des massiven Radialwellendichtring aus PTFE porös ausgebildet ist. Dadurch kann Luft kontrolliert ohne Flüssigkeit hinein und hinausströmen. Eventuell weitere Bauteile für den Druckausgleich wie eine poröse Membran aus Polytetrafluorethylen entfallen.

Für ein funktionierendes Dichtsystem ist die Gegenlauffläche von entscheidender Bedeutung. Oftmals möchten deshalb unsere Kunden die Wellenschutzhülse mitgeliefert bekommen. Wir können deshalb Laufflächen beispielsweise mit DLC-Beschichtung, Wolframkarbid, Chromoxid oder auch mit andere Oberflächenbehandlungen wie Gasnitrieren oder Rollieren ausführen. Im Endergebnis bekommt der Kunde eine einbaufertige Lösung, bei der die Härte, die Oberflächenrauheit und der Traganteil der Oberfläche ideal auf die Anwendung und den Compound der Dichtlippe abgestimmt sind. Bei Erreichen der Lebensdauer kann beides gleichzeitig getauscht werden, so dass nach der Wartung wieder ein komplett neues Dichtsystem zur Verfügung steht.

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